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Englische Grammatik B2: Obere Mittelstufe

Die Modalverben: die Vergangenheit beurteilen, Erwartungen ausdrücken

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Inhalt · B2
  1. Vergangenheit und Zukunft von einem anderen Zeitpunkt aus
  2. Annahme und Wunsch
  3. Die Modalverben: die Vergangenheit beurteilen, Erwartungen ausdrücken
    1. Über die Vergangenheit Schlüsse ziehen: must have, can’t have, might have
    2. Sagen, dass etwas nicht nötig war: needn’t have, didn’t need to
    3. Sagen, was vorgesehen oder erlaubt ist: be supposed to, be allowed to
  4. Das Passiv und lassen
  5. Äußerungen wiedergeben
  6. Das Satzgefüge
  7. Verstärkung, Vergleich und Artikel

In diesem Teil lernen Sie, über die Vergangenheit Schlüsse zu ziehen und zu sagen, dass etwas nicht nötig war. Sie lernen auch auszudrücken, was vorgesehen oder erlaubt ist.

  1. Über die Vergangenheit Schlüsse ziehen: must have, can’t have, might have
  2. Sagen, dass etwas nicht nötig war: needn’t have, didn’t need to
  3. Sagen, was vorgesehen oder erlaubt ist: be supposed to, be allowed to

Über die Vergangenheit Schlüsse ziehen: must have, can’t have, might have#

Ein Modalverb mit have und dem past participle (Partizip II) bezieht sich auf die Vergangenheit: Schlussfolgerung, Vorwurf oder verpasste Möglichkeit.

  • The lights are off. They must have gone to bed.Das Licht ist aus. Sie sind bestimmt schon ins Bett gegangen.
  • My wallet isn’t in my bag. I might have dropped it in the car.Mein Geldbeutel ist nicht in meiner Tasche. Vielleicht habe ich ihn im Auto verloren.
  • He can’t have written this letter. He doesn’t speak German.Er kann diesen Brief nicht geschrieben haben. Er spricht kein Deutsch.
  • You could have broken your leg!Du hättest dir das Bein brechen können!

Bildung

  • Die Schlussfolgerung über die Vergangenheit wird mit einem Modalverb (must, might, can’t, could…), have und dem past participle gebildet.
  • Have ist nach dem Modalverb in allen Personen unveränderlich: she must have gone, nie she must has gone.
  • In der gesprochenen Sprache wird have oft zu ’ve verkürzt: must’ve, might’ve.
  • Für eine Tätigkeit, die damals im Gang war, folgt auf das Modalverb have been + -ing: She must have been sleeping. („Sie hat bestimmt geschlafen.“)

Gebrauch

  • Must have mit dem past participle drückt eine fast sichere Schlussfolgerung über die Vergangenheit aus: „muss … haben“, „hat bestimmt“.
  • Can’t have oder couldn’t have drückt aus, dass etwas nicht geschehen sein kann: „kann nicht … haben“.
  • Might have, may have und could have drücken eine Möglichkeit aus: „hat vielleicht“, „könnte … haben“.
  • Should have drückt aus, was man hätte tun sollen. Could have drückt auch aus, was möglich gewesen wäre, aber nicht geschehen ist.
SicherheitFormBeispiel
fast sichermust haveThe grass is all wet. It must have rained.
möglichmight have, may have, could haveHe might have missed the bus.
unmöglichcan’t have, couldn’t haveShe can’t have seen us. It was too dark.
Vorwurf, Bedauernshould have, shouldn’t haveYou should have asked first.
nicht verwirklichte Möglichkeitcould haveWe could have won.

Unterschied zum Deutschen

  • Die Form entspricht dem deutschen Modalverb mit Infinitiv Perfekt. Modalverb, have und past participle stehen aber zusammen: He must have missed the train. („Er muss den Zug verpasst haben.“)
  • Eine Pflicht in der Vergangenheit („er musste“, „er hat … müssen“) wird mit had to ausgedrückt, nie mit must und have: He had to leave early. („Er musste früh gehen.“)
  • Die verneinte Schlussfolgerung wird wie im Deutschen mit „können“ ausgedrückt: That can’t have been easy. („Das kann nicht leicht gewesen sein.“)

Häufige Fehler

  • They must have forget the time. → They must have forgotten the time.Nach have steht das past participle.
  • He mustn’t have heard me. → He can’t have heard me.Mustn’t have wird für die verneinte Schlussfolgerung nicht verwendet: Dafür steht can’t have.
  • They must be gone home. → They must have gone home.Die Form wird immer mit have gebildet, auch wo im Deutschen „sein“ steht („Sie müssen nach Hause gegangen sein“).
  • You should of called. → You should have called.In der gesprochenen Sprache klingt should’ve wie should of; geschrieben wird aber have oder ’ve.

Merke

  • Für eine fast sichere Schlussfolgerung verwenden Sie must have: They must have missed the train. („Sie haben den Zug bestimmt verpasst.“)
  • Für etwas, das nicht geschehen sein kann, verwenden Sie can’t have: Tom can’t have seen us. („Tom kann uns nicht gesehen haben.“)
  • Für eine Möglichkeit verwenden Sie might have: Anna might have left her keys at work. („Anna hat ihre Schlüssel vielleicht bei der Arbeit liegen lassen.“)

Sagen, dass etwas nicht nötig war: needn’t have, didn’t need to#

Needn’t have bezeichnet eine unnötige, aber ausgeführte Handlung, didn’t need to meist eine unnötige und nicht ausgeführte.

  • We needn’t have made so many sandwiches. Half the guests didn’t come.Wir hätten nicht so viele Sandwiches machen müssen. Die Hälfte der Gäste ist nicht gekommen.
  • We didn’t need to buy tickets, so we just walked in.Wir brauchten keine Eintrittskarten zu kaufen und sind einfach hineingegangen.
  • You needn’t have brought a present.Du hättest doch kein Geschenk mitbringen müssen.

Bildung

  • Auf needn’t have folgt das past participle (Partizip II): needn’t have made.
  • Auf didn’t need to folgt der Infinitiv: didn’t need to buy.

Gebrauch

  • Needn’t have mit dem past participle drückt aus, dass eine Handlung ausgeführt wurde, aber nicht nötig war.
  • Didn’t need to mit dem Infinitiv drückt aus, dass eine Handlung nicht nötig war. Meist wurde sie dann auch nicht ausgeführt.
  • Wenn aus dem Zusammenhang hervorgeht, dass die Handlung doch ausgeführt wurde, wird auch didn’t need to verwendet. Ein Beispiel ist I didn’t need to wait, but I did. („Ich hätte nicht warten müssen, habe es aber getan.“)
  • Didn’t have to hat dieselbe Bedeutung wie didn’t need to.

Unterschied zum Deutschen

  • Für eine ausgeführte, aber unnötige Handlung steht im Deutschen „hätte nicht … müssen“: I needn’t have waited so long. („Ich hätte nicht so lange warten müssen.“)
  • Für eine nicht ausgeführte Handlung stehen im Deutschen „musste nicht“ oder „brauchte nicht zu“. Im Englischen steht dann didn’t need to oder didn’t have to: I didn’t need to wait long. („Ich brauchte nicht lange zu warten.“)

Häufige Fehler

  • I needn’t have to go. → I needn’t have gone.Auf needn’t have folgt das past participle, nie to.
  • We didn’t need to took a taxi. → We didn’t need to take a taxi.Nach didn’t need to steht der Infinitiv.
  • You mustn’t have brought a present. → You needn’t have brought a present.„Hättest nicht … müssen“ wird mit needn’t have wiedergegeben; mustn’t drückt ein Verbot aus.

Merke

  • Für eine ausgeführte, aber unnötige Handlung verwenden Sie needn’t have mit dem past participle: You needn’t have paid. („Du hättest nicht bezahlen müssen.“)
  • Für eine unnötige Handlung, die Sie nicht ausgeführt haben, verwenden Sie didn’t need to: I didn’t need to pay. („Ich musste nicht bezahlen.“)

Sagen, was vorgesehen oder erlaubt ist: be supposed to, be allowed to#

Be supposed to drückt aus, was vorgesehen oder erwartet ist, be allowed to, was erlaubt ist.

  • You’re supposed to wear a helmet on this site.Auf dieser Baustelle soll man einen Helm tragen.
  • The museum is supposed to be very interesting.Das Museum soll sehr interessant sein.
  • Sam was supposed to meet us here an hour ago.Sam sollte uns vor einer Stunde hier treffen.
  • Children aren’t allowed to swim here alone.Kinder dürfen hier nicht allein schwimmen.

Bildung

  • Auf be supposed to und be allowed to folgt der Infinitiv: supposed to wear, allowed to swim.
  • In beiden Wendungen wird be konjugiert: I’m supposed to, he was supposed to, we aren’t allowed to.

Gebrauch

  • Be supposed to mit dem Infinitiv drückt aus, was vorgesehen oder erwartet ist oder über etwas gesagt wird. Das kann eine Regel, eine Abmachung oder ein Ruf sein.
  • In der Vergangenheit bedeutet was supposed to oft, dass das Vorgesehene nicht geschehen ist.
  • Be allowed to drückt eine Erlaubnis aus, not be allowed to ein Verbot.
  • Auch should mit dem Infinitiv drückt aus, was zu erwarten ist: The parcel should arrive tomorrow. („Das Paket müsste morgen ankommen.“)

In anderen Zeiten

  • Für eine Erlaubnis („dürfen“) in einer anderen Zeit als dem Präsens wird be allowed to anstelle von can verwendet.
  • In der Vergangenheit wird was oder were allowed to verwendet: We weren’t allowed to leave. („Wir durften nicht gehen.“)
  • In der Zukunft wird will be allowed to verwendet: You’ll be allowed to vote next year. („Nächstes Jahr darfst du wählen.“)

Unterschied zum Deutschen

  • Für eine Regel, eine Abmachung oder das, was man über etwas hört, steht im Deutschen „sollen“. Im Englischen wird dann be supposed to verwendet: The museum is supposed to be good. („Das Museum soll gut sein.“)
  • „Sollte“ wird nur als Rat mit should wiedergegeben, nie als Plan in der Vergangenheit: He should come at eight. („Es wäre gut, wenn er um acht käme.“)
  • „Hier darf man nicht …“ und „Es ist nicht erlaubt, … zu …“ werden mit der Person als Subjekt wiedergegeben: You aren’t allowed to park here. („Hier darf man nicht parken.“)

Häufige Fehler

  • It’s not allowed to smoke here. → You aren’t allowed to smoke here. / Smoking isn’t allowed here.Subjekt von be allowed to ist die Person, der etwas erlaubt ist. Ohne Person ist die Tätigkeit in der Form auf -ing das Subjekt.
  • He supposed to be here. → He’s supposed to be here.Be supposed to wird immer mit einer Form von be gebildet.
  • She should arrive at noon, but she missed her flight. → She was supposed to arrive at noon, but she missed her flight.Ein Plan, der nicht verwirklicht wurde, wird mit was supposed to ausgedrückt, auch wo im Deutschen „sollte“ steht.

Merke

  • Für das, was vorgesehen oder erwartet ist, verwenden Sie be supposed to: The train is supposed to leave at six. („Der Zug soll um sechs abfahren.“)
  • Für ein Verbot verwenden Sie not be allowed to mit der Person als Subjekt: We aren’t allowed to take photos. („Wir dürfen nicht fotografieren.“)
  • Für einen Plan, der nicht verwirklicht wurde, verwenden Sie was supposed to: Lisa was supposed to call. („Lisa sollte anrufen.“)
Vertiefung

Überblick

Um…FormBeispiel
eine sichere Schlussfolgerung über die Vergangenheit zu ziehenmust have + Partizip PerfektShe must have left.
eine Möglichkeit in der Vergangenheit auszudrückenmight, may, could have + Partizip PerfektThey might have forgotten.
auszudrücken, dass etwas unmöglich geschehen istcan’t, couldn’t have + Partizip PerfektHe can’t have known.
einen Vorwurf zu machenshould have, shouldn’t haveYou shouldn’t have shouted at him.
eine unnötig ausgeführte Handlung zu nennenneedn’t have + Partizip PerfektI needn’t have hurried.
eine nicht nötige Handlung zu nennendidn’t need to + InfinitivI didn’t need to hurry.
auszudrücken, was vorgesehen ist oder gesagt wirdbe supposed toIt’s supposed to snow.
eine Erlaubnis auszudrückenbe allowed toAre we allowed to park here?